Anne Will will … Bildungsstreik bei Anne Will?
Wa(h)re Bildung- Hast du was wirst du was, titelte Anne Will am Sonntag den 29.11.09. Ich möchte mich hier aber weder über die Gesprächsführung, noch über die Unfähigkeit aller Anwesenden gegen Frau Schavan zu bestehen, die gewohnt oberflächlich und verantwortungslos argumentierte, ärgern. Einen netten Kommentar dazu findet ihr beim Spiegel oder, für Menschen mit richtig guten Nerven die ganze Sendung. Mich ärgert heute an ganz anderer Aspekt:
Warum sitzt dort wer dort sitzt? Weil Anne Will will…
Und ich könnte tatsächlich schreien. Seit über einem Jahr arbeiten jetzt bundesweit SchülerInnen, Auszubildende, Studierende und jede Menge sich solidarisierender Menschen und Gruppen zusammen, um die aktuellen Proteste zu koordinieren. Nicht nur um Kraft und Ideen an die tollen Initativen vor Ort weiterzugeben, um erfolgreiche Mobilisationsstrategien zu verbreiten und bundesweite Forderungen zu erarbeiten. Im “Bundesweiten Bildungsstreik” schafft es eine ziemlich heterogene Gruppe, trotzdem meist im Konsens, mehr oder weniger konstruktiv, aber immerhin jetzt schon ziemlich andauernd, gemeinsame Ziele zu verfolgen.
Das ist es, was in meinen Augen den Protest ausmacht-in Solidarität und Abstimmung mit internationalen Protesten (z.B. in Österreich), ist zum einen die angesprochenen Heterogenität, damit einhergehend die Vielfalt und Kreativität der Aktionen - und auch die Tatsache, dass wir es geschafft haben, als aktive Masse aufzutreten, ohne “Verantwortliche” zu benennen- was auch die Realität am besten wiederspiegelt…
Nun, das passt den MachtinhaberInnen überhaupt nicht. Die AmtsinhaberInnen können keine Feindbilder generieren und den Medien fehlt das selbige zur Meinungsmache…
Die Geschichte? Zuerst der wichtige Hinweis darauf: dies ist meine Geschichte, meine Wahrnehmung der Vorgänge, es existieren hier viele verschiedene Perspektiven! Die Pressegruppe des Bildungsstreiks wird um eineN VertreterIn bei Anne Will gebeten, mit dem Hinweis, dass die Programmverantwortlichen schon jemanden im Sinn hätten. Ben Stotz, Vorstandsmitglied bei Die Linke.SDS. Obwohl sich das Presseteam mit dieser Wahl nicht glücklich erklärt und andere Vorschläge macht, werden diese nicht berücksichtigt. Alle Forderungen nach einem quotierten Auftreten, nach der Beteiligung einer SchülerIn werden abgewiesen. Das ganze führt soweit, dass sogar die weibliche Vertreterin, welche als Reaktion auf harsche Kritik an Bens Auftritt im letzten Moment gebeten wird ihn “abzulösen” von den Security bei Anne Will noch nicht einmal ins Gebäude gelassen wird.
Warum mich das so sehr aufregt? Ben hat zwar keine besonders gute Figur gemacht, aber er hat die Aktiven im Bildungsstreik nicht blamiert. Wir müssen so eine tolle Plattform doch auch nutzen… da müssen eben Kompromisse gemacht werden… und wenn die eben eine bestimmte Person wollen… NEIN!
Wir sind eine heterogene Gruppe, die, so wurde das abgesprochen, in der Öffentlichkeit auch als solche wahrgenommen werden muss. Niemand sollte zu viele Pressetermine übernehmen. Wir kämpfen auch für ein emanzipatorisches Bildungssystem, was auch alte Herrschaftsstrukturen wie die Dominanz bestimmter Geschlechter überwinden muss. Und: wir sind keine Plattform für Parteinachwuchs- auch wenn ich mich freue, wenn auch Partei(nachwuchs) im Bildungsstreik aktiv ist - es ist mir dabei auch völlig egal zu welcher Partei sich diese Person zuordnet, denn darüber findet sich sicherlich kein Konsens, alleine schon weil auch Menschen mit aktiv sind, die das Parteisystem ablehnen und genauso, weil wir es niemanden zu einfach machen sollten, uns als homogene Gruppe darzustellen, um zu erlauben, dass “ein Feindbild” aufgebaut wird. Was mich dabei wahnsinnig macht ist die grenzenlose Scheinheiligkeit. Wir haben diese Diskussionen bei bundesweiten Treffen ausführlich geführt, auch mit Ben, der sich auch bis jetzt noch nicht zu der Kritik an seinem jetzigen Auftritt geäußert hat. Bei vorherigen “Vorfällen” die ihn teilweise als Sprecher des Bilungsstreik darstellten, bestand er darauf, dass der nie ähnliches geäußert habe, dass “die Presse” ihm diese Rolle angedichtet habe.
Wenn ihm solches wirklich leid tut- wie kann es dann passieren, dass er trotz dem Bewusstsein, dass es noch andere Interessierte an dem “Auftritt” bei Anne Will gab, diese Rolle schon wieder annimmt? Nun, natürlich ist das eine rhetorische Frage, die Versuchung die eigene Macht auszuüben ist groß, der Kampf gegen das vermeintliche Verantwortungsbewußtsein ist kein leichter. Doch sollte eine Person, die diese so schlecht unter Kontrolle hat, die sich ja offensichtlich doch für besser geeignet hält als andere, um Konsenspositionen zu vertreten - im vollen Bewusstsein damit genau diese damit zu gefährden- sollte eine solche Person gerade für vermeintlich “Linke” Ziele kandidieren?
Das klingt sehr harsch, ich weiß, mensch könnte einwenden, dass die Kräfte die an in der Öffentlichkeit Aktiven zerren zu stark sind, um zu widerstehen- doch dafür brauchen wir andere, die uns an die Folgen unseres Handeln erinnern und ehrlich kritisieren.
Ben, du hattest diese Unterstützung im Bildungsstreik und ich verstehe nicht, warum du dich gegen die Kritik so verschlossen hast. Ja, vielleicht fanden einige deinen Auftritt gut. Vielleicht bringt dir das einige Stimmen, wo auch immer du sie beim nächsten Mal zu brauchen denkst. Selbst wenn du deine Parteirolle nicht in den Fordergrund gestellt hast- dafür bekommst du von mir kein Danke, dass ist das Mindeste. Mit den Mitteln, die du wählst, verrätst du die Sache. Sie wenden sich gegen die Ziele, die du offiziell formulierst. Schade.

